Unsere Schätze - Historische Bücher und Zeitschriften

Das Blackwellsche Kräuter-Buch aus 1757

Sammlung der Gewächse, die zum Arzney-Gebrauch in den Apothecken aufbehalten werden.

Elizabeth Blackwell veröffentlichte 1737 - 1739 in London ein Kräuterbuch unter dem Titel „A curious Herbal..“ mit 500 Abbildungen, die von der Herausgeberin selbst gezeichnet, gestochen und koloriert wurden. Das Herbarium gehört zu den bedeutendsten botanischen Werken des 18. Jahrhunderts und hat eine ungewöhnliche, gewissermaßen tragische Entstehungsgeschichte.

Elizabeth Blachrie, eine gut situierte Kaufmannstochter aus Aberdeen, heiratete ihren Vetter Alexander Blackwell. Dieser war ein Phantast, Abenteurer und Hochstapler. Er verlor rasch das beträchtliche Heiratsgut seiner Frau beim Glücksspiel. Dann gab er sich als Arzt aus und eröffnete eine Praxis in Aberdeen. Als Zweifel an seiner Lizenz aufkamen, ging er nach London und gründete dort, ohne Ausbildung und ohne Bewilligung, eine Druckerei. Bald musste er Konkurs anmelden und wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Zahlungsunfähig landete er im Gefängnis.

Elizabeth Blackwell, die über großes künstlerisches Talent verfügte, beschloss mit Zeichnungen die Schulden ihres Mannes zu bezahlen. Sie legte einige ihrer Werke Sir Hans Sloane vor, der direkter Nachfolger Isaac Newtons als Präsident der Royal Society war. Ihre naturnahen Darstellungen überzeugten so sehr, dass Sloane beschloss, die Herausgabe eines botanischen Tafelwerks für Apotheker und Mediziner, in dem die 500 wichtigsten Heilpflanzen originalgetreu dargestellt werden sollten, zu fördern. Von 1737 bis 1739 fertigte die Künstlerin in Chelsea, wo Sir Sloane gemeinsam mit der Londoner Apothekergilde einen Apothekergarten unterhielt, wöchentlich vier bis fünf Kupfertafeln an. Da Elizabeth Blackwell selbst keine botanische Ausbildung besaß, steuerten die Wissenschaftler des Apothekergartens (der heute noch als Apothecaries' Physic Garden in Chelsea existiert) die Pflanzenbeschreibungen bei.

Das Buch wurde wegen der hohen Qualität der Zeichnungen und der Einbeziehung der neuentdeckten Pflanzen Amerikas ein so großer finanzieller Erfolg, dass Elizabeth Blackwell ihren Mann aus der Haft auslösen konnte. Der setzte sich jedoch 1742 nach Schweden ab, beging weitere Betrügereien und endete 1747 auf dem Schafott.

Über das weitere Leben von Elizabeth Blackwell ist wenig bekannt. Sie starb 1758 in Chelsea.

Von 1757 – 1773 gab Christoph Jacob Trew, Arzt und Apotheker aus Nürnberg, eine lateinisch/deutsche Ausgabe des Blackwellschen Kräuterbuchs heraus - unter dem Titel:

Herbarium Blackwellianum emendatum et auctum id est Elisabethae Blackwell collectio stirpium quae in pharmacopoliis ad medicum usum asservantur ... cum praefatione C. J. Trew. / Vermehrtes und verbessertes Blackwellsches Kräuter-Buch das ist Elisabeth Blackwell Sammlung der Gewächse die zum Arzney-Gebrauch in den Apothecken aufbehalten werden deren Beschreibung und Kraefften aus dem englischen übersetzt...

Prunkstück der Bibliothek

In dem nunmehr auf sechs Bände angewachsenen Werk wurden die botanischen Beschreibungen stark erweitert und das von Carl von Linné 1753 begründete binäre Nomenklatursystem für die Pflanzennamen verwendet. Die Bände mit der unverkennbaren Eleganz der botanischen Abbildungen gehören zu den Prunkstücken der Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer.

Tannenbaum, weiße Tanne

  1. Er wächst ziemlich hoch, die Blätter oder Nadeln sind an den Spitzen breit und an der unteren Fläche weislich, die Zapfen stehen in die Höhe.
  2. Man sagt, dass dieser Baum in England an einigen Orten wild wachse; allein in Teutschland wird er in gebürgichten Gegenden sehr häufig gefunden.
  3. Man sollte sich, nach dem Dispensatorio, in den Apotheken, deren Theile von diesem Baume bedienen; da er aber in England nicht so gemein ist, als der rothe, siehe TAB. 198, die Kräfte und Tugenden von beyden aber sehr übereinkommen, so mus dieser insgemein die Stelle des anderen vertreten....

TAB. 198 Abies rubra, Fichte, Fichtenbaum, rother Tannenbaum....
1. Dieser Baum wächst sehr gros. Und hat kleine dünne und spitzige Blätter oder Nadeln, einer hellen grasgrünen Farbe; die Blüthe ist grünlicht, der Zapffen hellbraun, und der Saame braun.
2. In Teutschland, Schottland und anderen Orten wächst er wild, da er im Frühling seine Kätzgen oder Blüthen treibet.
3. Seine Nadeln und Gipffel werden in Arzneytränken wider den Scharbock [eine altertümliche Bezeichnung der Vitamin-C Mangelkrankheit Skorbut] gebraucht. Man nimmt sie auch zum Brauen in die Braunschweiger Mumme. Der Strasburgische Terpentin kommt von diesem Baume, welcher ein erweichend, heilend und reinigendes Mittel ist, und auch den Urin treibet. Man bedient sich desselben in Wunden, Geschwüren, dem Tripper, weissen Fluß, im Stein und Gries, wie auch bey verschiedenen Krankheiten der Brust und Lungen. Das Theer wird auch hievon gemacht, und als Mittel in Bustkrankheiten, dem kurzen Athem und Verstopfung der Lunge gerühmt.

Anm. Obgleich unsere Fichte unter diejenigen Bäume gehöret, welche Blüthen von zweyerlei Gattung tragen, nemlich männliche, so, nach verflossener Zeit des Blühens, wieder abfallen, und weibliche, welche länger bühen, und Saamen bereiten: so hat doch die BLACKWELL nur einen Ast, welcher Früchte träget, nebst denen Saamen besonders, abgezeichnet. Damit man nun von der Bereitung der Frucht einige Begriffe bekomme, so haben wir in den fig. 1. 2. 3. 6. 7. dieselbigen Theile abbilden lassen, welche die Beschaffenheit und Natur der Pflanze vollkommener vorstellen....