Medikamente in der Schwangerschaft

In der besonders sensiblen 1 Phase einer Schwangerschaft sollte jede Arzneimittelanwendung vorab mit einem Arzt oder Apotheker besprochen werden. Die Contergan-Tragödie der Sechzigerjahre hat die Welt erschüttert und neues Wissen und Sicherheitsstandards in der Medikamenten-Entwicklung hervorgebracht. So weiß man heute, dass an embryonalen Entwicklungsstörungen nur zu je 5 Prozent Arznei- und Genussmittel schuld sind, zu 20 Prozent Erbkrankheiten und Genmutationen, in über 60 Prozent haben sie unbekannte Ursachen. Bis zur 4. Schwangerschaftswoche gilt das Alles-oder-nichts-Prinzip: Entweder der Embryo entwickelt sich trotz Gabe eines Arzneistoffs normal oder es kommt zu einem Spontanabort. In den nächsten 8 Wochen folgt die besonders empfindliche Embryonalphase, in der die Organausbildung stattfindet. In dieser Zeit können durch äußere Einflüsse wie Umweltgifte, Arznei- oder Genussmittel schwere und dauerhafte Schäden am Ungeborenen gesetzt werden. Daher sollten Schwangere in den ersten drei Monaten möglichst keine Medikamente nehmen bzw. nur in Notfällen bewährte und sichere Stoffe in niedriger Dosierung und beschränkt auf Einzelgaben. Ab der 13. Woche beginnt die Fetalzeit, in der das differenzierte Wachstum erfolgt. In diesem Zeitraum gegebene Arzneimittel bewirken mit wenigen Ausnahmen keine bleibenden Missbildungen mehr, können aber zu mangelnder Organreife führen. Diese Zeit gilt als relativ unbedenklich hinsichtlich einer Arzneimittelgabe. In den Wochen vor der Geburt sind wiederum alle Stoffe zu meiden, die die Blutungszeit verlängern oder die Wehen beeinflussen. Wir wissen heute viel über Wirkstoffe, die für Schwangere ungeeignet oder gefährlich sind. Dennoch gibt es für die meisten Krankheitsbilder sichere Medikamente, die nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheker auch in Schwangerschaft oder Stillzeit angewendet werden können.

Apothekertipp von Dr. Gerhard Kobinger in der Kleinen Zeitung vom 09. Jänner 2021