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Patientensicherheit in allen Lebensphasen

Vom Frühgeborenen bis zum Hochbetagten: Krankenhausapotheker:innen tragen maßgeblich zu einem sicheren Spitalsaufenthalt bei

Rund 2,2 Millionen stationäre Aufenthalte werden in den österreichischen Krankenhäusern pro Jahr registriert. Damit so viele Patient:innen, die in ganz verschiedenen Lebensphasen und körperlichen Verfassungen sowie mit vielen unterschiedlichen Erkrankungen und Medikationen ins Spital kommen, alle sicher versorgt werden können, ist eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe unerlässlich. Maßgeblich darin eingebunden sind die österreichweit mehr als 500 Krankenhaus(fach)apotheker:innen. Sie sorgen dafür, dass der/die richtige Patient:in zur richtigen Zeit das richtige Medikament in der richtigen Dosis bekommt und arzneimittelbezogene Probleme bestmöglich minimiert werden. Anlässlich des Tages der Patientensicherheit stellen wir gemeinsam mit der Anstaltsapotheke des Kepler Universitätsklinikums (KUK) in Linz Beispiele dafür vor, wie Krankenhausapotheker:innen zur Patientensicherheit in den verschiedenen Lebensphasen der Patient:innen beitragen.

Wenn Krankenhausapotheker:innen gemeinsam mit Patient:innen deren Gesamtmedikation systematisch durchgehen und mögliche Gefahren- und Optimierungspotentiale identifizieren, fördert das die Patientensicherheit. (Foto: Apothekerkammer)

Was bedeutet Patientensicherheit?

Patientensicherheit bezeichnet den Schutz von Patient:innen vor vermeidbaren Schäden im Rahmen der medizinischen und pharmazeutischen Versorgung. Sie umfasst Maßnahmen, Strukturen und eine Sicherheitskultur, die Fehler, Risiken und unerwünschte Ereignisse möglichst verhindern oder frühzeitig erkennen und abmildern. Zentrale Aspekte sind die kontinuierliche Verbesserung von Prozessen, die Förderung von Kommunikation und interdisziplinärer Zusammenarbeit sowie das Lernen aus Zwischenfällen. Ziel ist es, eine qualitativ hochwertige, vertrauenswürdige und sichere Behandlung für jede Patientin, jeden Patienten zu gewährleisten.

Frühgeborene/Neugeborene/Säuglinge

Rund sieben Prozent der Kinder in Österreich kommen als Frühgeborene zur Welt, also vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (SSW). Je früher ein Kind geboren wird, desto unreifer sind seine Organfunktionen und desto größer ist der medizinische und pharmazeutische Versorgungsbedarf. Nahezu alle dieser Patient:innen sind auf individuell zubereitete Arzneimittel oder auch Ernährung aus den Anstaltsapotheken angewiesen. „Hier bewegen wir uns in einem hochspezialisierten und sehr individuellen Bereich, denn manche Frühgeborene wiegen nur wenige hundert Gramm und schon kleinste Fehler bei der Dosierung oder minimale Verunreinigungen können fatale Konsequenzen haben. Da braucht es viel apothekerliches Wissen“, erklärt Mag. Alexandra Pointinger, die die Herstellung in der KUK-Anstaltsapotheke leitet und gemeinsam mit ihren Kolleg:innen unter höchsten Hygienestandards Arzneimittel anfertigt, die den frühgeborenen Patient:innen zugeführt werden. 

Aber auch bei der pharmazeutischen Versorgung von wenigen Wochen oder Monaten alten Säuglingen, die zwar zum regulären Zeitpunkt, jedoch mit schweren Erkrankungen zur Welt gekommen sind, gilt es einiges zu beachten. Denn für so junge Patient:innen gibt es kaum Fertigarzneimittel in der richtigen Darreichungsform und Dosierung, weshalb verfügbare Wirkstoffe und Medikamente von den Krankenhausapotheker:innen in eine Form gebracht werden, die Kindern in diesem Alter (z.B. über Sonden) verabreicht werden können und die auch eine präzise Dosierung erlaubt. Dazu gibt es viele Beispiele. So werden etwa in der Erwachsenentherapie gängige Herz-Kreislauf-Tabletten oft in eine flüssige Form überführt, um Säuglinge mit Herzschwäche angemessen behandeln zu können. Auf ihrem Sicherheitsradar haben die Krankenhausapotheker:innen dabei immer, ob die erforderlichen Wirkstoffe in flüssiger Form ausreichend lange haltbar bleiben und welche Zusatzstoffe (z.B. Konservierungsmittel) für die sensiblen Patient:innen geeignet sind. 

Gerade bei der Zubereitung von individuellen Arzneimitteln für ganz junge Patient:innen mit teils sehr schweren Erkrankungen ist große pharmzeutische Expertise gefragt. (Foto: © Hörmandinger)

Kleinkinder und ältere Kinder

Auch bei Kleinkindern und älteren Kindern mit schwereren Erkrankungen ist es oftmals nicht möglich, ein Fertigarzneimittel zu verwenden und die Krankenhausapotheker:innen müssen dann sichere individuelle Alternativen finden. So ergab eine Erhebung im KUK aus dem Jahr 2024, dass auf den Normalstationen der Kinderklinik am Untersuchungstag 57 Prozent der Patient:innen mindestens mit einem in der Anstaltsapotheke hergestellten Medikament behandelt wurden. „Wichtig ist, dass die Darreichungsform für das jeweilige Alter angemessen ist. So haben Kleinkinder beispielweise Schwierigkeiten damit größere Tabletten zu schlucken. Diese werden darum von uns in eine flüssige Form überführt und häufig mit einem altersgerechten Geschmacksstoff versehen, damit die Einnahme für die Kinder angenehm ist“, erzählt Mag. Theresa Redinger, die ebenfalls in der KUK-Apotheke arbeitet. „Um über die richtige Anwendung dieser speziellen Arzneiformen für Kinder zu informieren, sind wir im engen Kontakt mit den Stationen und führen auch Schulungen durch.“

Sorgfältiges und sauberes Arbeiten ist auch bei der Verdünnung von Insulin erforderlich. Sehr junge Diabetes-Patient:innen sind auf diese wichtige Versorgungsleistung der Krankenhausapotheker:innen angewiesen, da für sie die Konzentration in handelsüblichen Präparaten noch zu hoch ist. „Wir verdünnen das Insulin unter absolut aseptischen Bedingungen, denn eine Verunreinigung der Insulinpumpen, die direkt am Körper getragen werden, mit Mikroorganismen kann böse ausgehen“, erklärt Mag. Pointinger. 

Patientenindividuelle Medikamente werden von Krankenhausapotheker:innen unter hohen Hygienestandards zubereitet, denn für viele Patient:innen können bereits kleinste Verunreinigung eine Gefahr darstellen. (Foto: © Hörmandinger)

Erwachsenenalter

Bei geplanten Spitalsaufenthalten (z.B. für die Implantation einer Hüftprothese) oder auch nach Unfällen analysieren Krankenhausapotheker:innen immer häufiger die Medikation der Patient:innen und erhöhen damit deren Sicherheit im Spital. „Bei uns in Linz findet im Rahmen der Krankenhausaufnahme auch ein Gespräch mit einer klinischen Pharmazeutin bzw. einem klinischen Pharmazeuten statt. Dabei wird die Heimmedikation vollständig erfasst und eine Medikationsanalyse durchgeführt, um beispielsweise Wechselwirkungen, Doppelverordnungen, auffällige Dosierungen oder unklare Indikationen zu erkennen. Außerdem wird geprüft, wie sich die bereits vor der Aufnahme vorhandenen Medikamente mit den stationär voraussichtlich eingesetzten Arzneimitteln vertragen. Die Ergebnisse werden elektronisch dokumentiert und bei Bedarf mit den behandelnden Ärztenbesprochen. So können arzneimittelbezogene Probleme frühzeitig erkannt werden und die Sicherheit der Arzneimitteltherapie steigt“, erklärt Mag. Redinger. Das direkte Gespräch mit den Apotheker:innen bietet den Patient:innen auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ihr eigenes Wissen über bestimmte Arzneimittel zu erhöhen. Besonders wichtig ist diese Versorgungsleistungen für Risikopatient:innen, also beispielsweise Patient:innen, die aufgrund mehrerer Erkrankungen bereits viele verschiedene Arzneimittel einnehmen müssen (Polypharmazie), die eine Therapie mit Blutverdünner oder das Immunsystem schwächende Medikamente haben oder deren Nierenfunktion eingeschränkt ist.

In Linz findet im Rahmen der Krankenhausaufnahme auch ein Gespräch zwischen einer klinischen Pharmazeutin bzw. einem klinischen Pharmazeuten und der Patientin, dem Patienten statt. Dabei wird die Heimmedikation vollständig erfasst und eine Medikationsanalyse durchgeführt, um (mögliche) arzneimittelbezogene Probleme frühzeitig zu erkennen. (Foto: Apothekerkammer)

Spätes Erwachsenenalter und Hochbetagte

Im höheren Alter bringen Patient:innen häufig eine sehr lange Medikationsliste mit, wenn sie ins Krankenhaus kommen. 15 bis 20 Medikamente pro Patient:in sind keine Seltenheit und sowohl dem Patienten, der Patientin als auch den Behandelnden fällt es oftmals schwer, den Überblick über die zahlreichen Medikamente und die möglichen Neben- und Wechselwirkungen zu bewahren. Ein Ziel der Krankenhausapotheker:innen ist es darum, das Medikationsschema in Absprache mit den behandelnden Ärzt:innen kritisch zu hinterfragen und so weit wie möglich zu vereinfachen, um dem Patienten, der Patientin das Leben im Alltag bei optimaler Versorgung und einem reduzierten Risiko für negative Folgen der Arzneimitteltherapie zu erleichtern. Das ist keine einfache Aufgabe und erfordert neben breitem pharmazeutischem Wissen auch viel Erfahrung. 

Auch Palliativpatient:innen werden von Krankenhausapotheker:innen unterstützt, betont Mag. Pointinger. Als Teil eines Palliativ-Teams mit Fokus auf die Besonderheiten der Arzneimitteltherapie in dieser Phase des Lebens, helfen sie mit, den Patient:innen ein schmerzfreies, würdevolles Lebensende zu ermöglichen.

Jedes Medikament, das in der Anstaltsapotheke zubereitet wurde, wird gewissenhaft geprüft bevor es zur Patientin, zum Patienten gelangt. (Foto: © Hörmandinger)

Neben diesen Beispielen gibt es aber auch viele wichtige Versorgungsleistungen, die Krankenhausapotheker:innen über alle Altersstufen hinweg für die Patient:innen erbringen.

Sichere Arzneimittelversorgung trotz Lieferengpässen

Lieferengpässe bei Medikamenten stellen für die Sicherheit von Patient:innen jeden Alters ein Risiko dar. Bei vielen Arzneimitteln ist die Versorgungslage schon seit Jahren angespannt und die Krankenhausapotheker:innen geben sich täglich große Mühe, um im Falle der Nichtlieferbarkeit eines Präparates eine gleichwertige Alternative für den Patienten, die Patientin zu beschaffen oder selbst herzustellen, damit es zu keiner Therapieunterbrechung oder -verzögerung kommt. Bei manchen Medikamenten wie beispielsweise bestimmten Zytostatika zur Krebstherapie kann die Verfügbarkeit eines Arzneimittels über Leben und Tod entscheiden. „Wir versuchen wirklich viele Hebel in Bewegung zu setzen, um zu beschaffen, was irgendwo noch verfügbar ist – egal ob innerhalb der EU oder auch außerhalb“, berichtet Mag. Pointinger. Gerade bei Patient:innen mit seltenen Erkrankungen kann die Suche nach einem ganz bestimmten Arzneimittel zu einer globalen Mission mit zahlreichen bürokratischen Zwischenschritten und logistischen Herausforderungen werden. Ist die Beschaffung gelungen, achten die Krankenhausapotheker:innen genau darauf, dass das Krankenhauspersonal auch gut darüber informiert wird, wie das Ersatzmedikament einzusetzen ist. 

In Zeiten von globalen Lieferengpässen bei vielen Medikamenten wenden Krankenhausapotheker:innen viel Zeit und Mühe auf, damit jede/r Patient:in mit dem benötigten Arzneimittel oder einer gleichwertigen Alternative versorgt werden kann. (Foto: Apothekerkammer)

Überwachung von Risikoarzneistoffen

Jedes Arzneimittel hat neben der beabsichtigten Wirkung auch unerwünschte Wirkungen (Neben- und Wechselwirkungen), die je nach Patient:in und Dosierung unterschiedlich stark ausfallen können. Medikamente mit einem hohen Neben- und/oder Wechselwirkungspotential werden als Risikoarzneistoffe eingestuft, deren Einsatz zur Sicherheit der Patient:innen sorgfältig überwacht werden muss. In Linz werden beispielsweise mit Hilfe elektronischer Systeme alle Patient:innen, die bestimmte Antibiotika einnehmen müssen, zweimal pro Woche „gescreent“, um mögliche Probleme (z.B. Wechselwirkungen der Antibiotika mit anderen verordneten Medikamenten) frühzeitig zu erkennen. Tritt dabei ein Risiko zu Tage, erarbeiten die Krankenhausapotheker:innen  in Absprache mit den behandelnden Ärzt:innen sichere Alternativen.

Pharmazeutisches Konsil

Alle Krankenhausapotheken stehen mit ihrer pharmazeutischen Expertise zur Verfügung, um andere Gesundheitsberufe in Arzneimittelfragen zu beraten. In Linz wurde dazu eine elektronische Möglichkeit eingerichtet. „Wenn ein Arzt eine Frage zu einem Medikament oder zur Medikation eines Patienten hat, kann er sich über die digitale Fieberkurve an uns wenden und ein pharmazeutisches Konsil anfordern. Wir liefern ihm dann die benötigten Informationen oder schauen mit ihm gemeinsam die Medikation des Patienten bzw. der Patientin durch“, erklärt Mag. Pointinger. Dieser interdisziplinäre Austausch verbessert die medikamentöse Therapie und erhöht die Patientensicherheit.

Betreuung von Notfallarzneidepots

Notfälle können zu jeder Tages- und Nachtzeit passieren und die betroffenen Personen müssen dann im Spital unverzüglich mit den passenden Notfallmedikamenten versorgt werden können. Darum gibt es auf den verschiedenen Stationen Notfallarzneidepots, die für Ärzt:innen und Pflegekräfte rund um die Uhr zugänglich sind. Betreut und befüllt werden diese Depots von den Krankenhausapotheker:innen. „Das Spektrum der Medikamente in den Notfallarzneidepots ist breit: Es reicht von Arzneimitteln gegen Pilz-Vergiftungen, Schlangenbisse und Arzneimittel-Überdosen bis hin zu Präparaten zur Behandlung besonders schwerer Malaria-Fälle“, führt Mag. Redinger aus.

Krankenhausapotheker:innen betreuen Notfallarzneidepots, die für Ärzt:innen und Pflegekräfte rund um die Uhr zugänglich sind. Denn bestimmte Notfallmedikamente müssen zu jeder Tages- und Nachtzeit ausreichend verfügbar sein. (Foto: Apothekerkammer)

Wie wichtig die Versorgungsleistungen der Krankenhausapotheker:innen für die Patientensicherheit in den Spitälern sind, verdeutlicht auch die Tatsache, dass nahezu jede/r Patient:in während des Spitalsaufenthaltes mit der Arbeit und den Produkten der Anstaltsapotheken bewusst oder unbewusst in Kontakt kommt. „Wenn es sich um ein individuell hergestelltes Medikament oder eine Medikationsanalyse handelt, ist das offensichtlich. Aber auch eine Infusionslösung oder ein Kontrastmittel für eine MRT-Untersuchung kommt aus unserer Apotheke“, berichtet Dr. Alexander Weigl, Leiter der KUK-Anstaltsapotheke. Alleine in Linz profitieren auf diese Weise jährlich rund 72.000 stationär aufgenommene Patient:innen und sehr viele der 640.000 ambulanten Patient:innen von der Expertise der Krankenhausapotheker:innen.