Leistungen der Apotheken

Umfassendes Leistungsspektrum

Die fachliche ► Beratung zu Arzneimitteln zählt zu den Kernkompetenzen von Apothekerinnen und Apothekern. Dabei wird den Patienten und Kunden erklärt, wie sie ärztlich verordnete Arzneimittel richtig einnehmen und anwenden, wie hoch sie die Medikamente dosieren sollen und welche Wirkungen, Neben- und Wechselwirkungen diese hervorrufen können. Im Rahmen der Selbstmedikation empfehlen Apothekerinnen und Apotheker rezeptfreie Arzneimittel und erklären deren richtige Einnahme.

Die Beratungstätigkeit im weiteren Sinn umfasst auch eine generelle Gesundheitsberatung zu Ernährung und Bewegung, ► Rauchstopp, ► Impfungen, Reisevorsorge, gesunder Lebensweise und besserem Wohlbefinden. Bei chronisch Kranken erfüllen Apothekerinnen und Apotheker oft die Funktion eines immer verfügbaren Ansprechpartners, der ihnen betreuend zur Seite steht. Die ► Impfaktionen zu FSME, Hepatitis, Pneumokokken oder Meningokokken in den Apotheken haben zu erhöhten Durchimpfungsraten bei der Bevölkerung beigetragen und steigern die persönliche Gesundheitskompetenz. Für ► COPD-Patienten bieten die Apotheken ein besonderes Service: Kunden können ihre mobilen Sauerstoffgeräte in 43 Apotheken über moderne Sauerstofftanks kostenlos aufladen. Eine wichtige Leistung der Apothekerschaft ist auch die Medikamentenvorsorge im Falle einer Pandemie oder atomarer Katastrophen (Kalium-Jodid-Bevorratung).

Nacht- und Wochenenddienste

Jede Apotheke in Österreich hat durchschnittlich 49 Stunden pro Woche geöffnet. Doch ein Notfall tritt leider immer wieder auch in der Nacht oder an Wochenenden ein. In Österreich leisten jede Nacht sowie an Wochenenden und Feiertagen rund 265 Apotheken ►Bereitschaftsdienst. Die Apotheken wechseln sich dabei ab, so dass jede Apotheke mehrmals im Monat auch in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen Bereitschaftsdienst leistet. In kleineren Gemeinden müssen die Apotheken vor Ort mitunter jede Nacht erreichbar sein. Diese gesetzlich geregelte Serviceleistung wird nicht wie die Spitäler- und Ärztenotdienste von der öffentlichen Hand bezahlt, sondern vom Apothekenbetrieb selbst finanziert. In Summe kosten die Bereitschaftsdienste die Apotheken rund 35 Mio. € jährlich.

Apothekenruf 1455 - 24-Stunden Telefonservice

Die Apotheken in Österreich bieten ein umfassendes und praktisches Informationsservice. Unter der Telefonnummer 1455 erhält jede Anruferin, jeder Anrufer zum Ortstarif rasch und unbürokratisch Auskunft über die nächstgelegene dienstbereite Apotheke - auf Wunsch sogar mit Wegbeschreibung. Der Apothekenruf ist rund um die Uhr, 24 Stunden, 365 Tage lang erreichbar. Pharmazeutische Fragen werden direkt von einer Apothekerin bzw. einem Apotheker in Ihrer nächstgelegenen Apotheke beantwortet. Im Jahr 2020 haben rund 80.000 Personen den Apothekenruf 1455 in Anspruch genommen. Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, dass der Apothekenruf 1455 in die „Gesundheitsberatung 1450“ implementiert wird, damit eine zentrale Telefonnummer, bei allen Fragen die Gesundheit betreffend, etabliert wird.

Medikationsmanagement

Das Programm der letzten Bundesregierung fordert „stärkere Berücksichtigung der Risiken der Polypharmazie und Etablierung des standardisierten Medikationsmanagements bei Dauer-Verordnung von mehr als sechs Wirkstoffen“. Die Österreichische Apothekerkammer arbeitet intensiv daran, eine Serviceleistung zu etablieren, um die Risiken der Polypharmazie zu minimieren und die korrekte Arzneimittelanwendung sowie die Adhärenz zu steigern.

Geplant ist, das Spektrum der Serviceleistungen der Apotheken in drei Stufen zu gliedern:Geplant ist, das Spektrum der Serviceleistungen der Apotheken in drei Stufen zu gliedern:

  1. Standardisierter Sicherheitscheck an der Tara: Schwerwiegende Wechselwirkungen, Doppelmedikationen und Kontraindikationen aufgrund von Alter und Geschlecht werden direkt bei der Abgabe von Arzneimitteln erkannt und vermieden.
  2. Medikationsanalyse: Für Patienten mit fünf oder mehr Arzneimitteln wird ein eigener Beratungstermin vereinbart, um im Rahmen einer strukturierten Analyse der Gesamtmedikation arzneimittelbezogene Probleme feststellen zu können und Lösungen anzubieten.
  3. Medikationsmanagement: Dieses kontinuierliche Service baut auf der 2. Stufe auf und umfasst im Falle einer vertiefenden Medikationsanalyse neben Medikationsdaten und dem Patientengespräch auch die Einbeziehung von Labor- und sonstigen Befunden.

Medikationsanalyse

Die Medikationsanalyse (MA) stellt eine einmalige, strukturierte Analyse der Gesamtmedikation eines Patienten dar. Dieses Service befindet sich im Aufbau und wird in Zukunft in allen Apotheken durchgeführt werden können. Entscheidend bei der MA ist das Zusammenführen von Informationen aus ärztlichen Verschreibungen, um arzneimittelbezogene Probleme zu eruieren und zu dokumentieren und in der Folge in Zusammenarbeit mit dem Patienten und gegebenenfalls mit dem (verschreibenden) Arzt Lösungen zu erarbeiten, welche die Erhöhung der Effektivität der Arzneimitteltherapie und die Minimierung von Arzneimittelrisiken zum Ziel haben.

Medikationsmanagement

Apothekerinnen und Apotheker sind hier Teil eines multidisziplinären Expertenteams. Sie sind im Zuge der längerfristigen MM-Betreuung der Patienten maßgeblich dafür zuständig, dass bei festgestellten arzneimittelbezogenen Problemen Maßnahmen gesetzt und deren Ergebnisse nachverfolgt werden können. Wichtiger Bestandteil dabei ist das kontinuierliche Monitoring inklusive Berücksichtigung von Laborbefunden und ärztlichen Diagnosen über einen längeren Zeitraum. Ziel des MM ist, die Arzneimitteltherapie fortlaufend zu überprüfen, zu optimieren und Risiken durch Arzneimitteleinnahme gezielt vermeiden zu können.

GEMED - Multiprofessionelles Geriatrisches Medikationsmanagement

Multiprofessionelles Geriatrisches Medikationsmanagement ist eine intensive, aufeinander abgestimmte und strukturierte Zusammenarbeit von Apothekerinnen und Apothekern, Pflegepersonal, Ärztinnen und Ärzten mit dem Ziel, bei geriatrischen Heimbewohnern mit mehreren Erkrankungen die Therapiequalität zu erhöhen, indem die Risiken der Polymedikation identifiziert und vermindert werden. Dazu schlossen sich im Herbst 2016 in den Salzburger Regionen Pongau und Pinzgau Apothekerinnen und Apotheker aus 10 Apotheken mit rund 30 praktischen Ärztinnen und Ärzten und Vertretern von 11 Seniorenheimen zum GEMED-Netzwerk zusammen, einer multiprofessionellen Plattform zur Verbesserung der Versorgung und Betreuung von Pflegeheimbewohnern. Aus einer Projektanalyse (Stand April 2018) geht klar hervor, dass die Ärzte im Projektzeitraum (November 2016 bis Oktober 2017) 321 (64%) der gegebenen Empfehlungen annahmen und die Medikation wie von Apothekerinnen und Apothekern und Pflege vorgeschlagen änderten. 128 (25%) Empfehlungen wurden von den Ärzten nicht angenommen, in 38 Fällen (8%) entschieden sich die Ärzte für eine von der Empfehlung abweichende Änderung der Medikation, bei 15 (3%) der gegebenen Empfehlungen war die Umsetzung der Empfehlung nicht nachvollziehbar.

Durch GEMED wurden klar die großen Verbesserungspotenziale bei der Arzneimittelversorgung in Pflegeheimen aufgezeigt. Die Volksanwaltschaft leitete daraus eine klare Empfehlung zur bundesweiten Umsetzung ab. Von der Plattform Patientensicherheit wurde das Projekt der Österreichischen Apothekerkammer mit dem Patient Safety Award 21019 ausgezeichnet.

Weiterführende Informationen finden Sie auf ► www.gemed.at.

Vorsorge

Neben der fachlichen Beratung bieten Apothekerinnen und Apotheker auch Gesundheitschecks als Service für die Bevölkerung an. Vor allem Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Gewicht und Bauchumfang werden in den Apotheken häufig gemessen. Weitere regionale beziehungsweise bundesweite Schwerpunktaktionen gab es zu Venen-, Allergie-, Muskelkraft- und COPD-Messungen.

Magistrale Zubereitungen

Apothekerinnen und Apotheker können Arzneimittel nach individuellen Bedürfnissen, also nach Maß, anfertigen. Diese Einzelanfertigungen heißen in der pharmazeutischen Fachsprache „magistrale Zubereitung“. Sie erfordern großes pharmazeutisches Wissen und eine hohe handwerkliche Fertigkeit. Beides eignen sich die Apothekerinnen und Apotheker in ihrem Studium und in jahrelanger Praxis an. Die magistrale Zubereitung ermöglicht es, diverse Wirkstoffe miteinander zu kombinieren oder auch individuelle Dosierungen für Kinder oder Senioren anzufertigen. Ebenso können nach Wunsch und auf Verschreibung spezielle Arzneiformen - wie zum Beispiel Zäpfchen oder Kapseln - hergestellt werden. Zusätzlich gibt es noch sogenannte Offizinale Zubereitungen, die entsprechend den Vorgaben des österreichischen oder europäischen Arzneibuches hergestellt werden.

Am häufigsten werden magistrale Zubereitungen nach ärztlichen Rezepten bei Hautkrankheiten (z. B. Salben) eingesetzt. Dort machen sie bereits 44 % der ärztlichen Verschreibungen aus. Viele Hustenmittel, Augentropfen oder Augensalben werden frisch in der Apotheke angefertigt. Bei diesem Service ist Österreich führend in Europa. Außer in Österreich werden nur in Deutschland und in der Schweiz Tropfen und Salben für die Augen handgemacht.

Arzneimittelkontrolle

In regelmäßigen Abständen (einmal pro Monat) sind mindestens zehn Packungen unterschiedlicher Arzneispezialitäten in der Apotheke einer optischen Kontrolle auf Mängel zu unterziehen und ist diese Kontrolle zu dokumentieren.

Besteht der Verdacht eines Qualitätsmangels oder wird ein solcher festgestellt, so ist dies der Behörde gemäß § 7 Abs. 2 Apothekenbetriebsordnung zu melden.

Arzneistoffe müssen bei der Lieferung in der Apotheke vom Apotheker auf Identität und Qualität geprüft werden. Darüber sind von der Apothekerin/dem Apotheker Aufzeichnungen im Sinne des Arzneibuchgesetzes zu führen.

Fälschungssicherheit

Gefälschte Arzneimittel aus dem Internet stellen ein immer größeres Problem dar, sowohl für die Gesundheit der Österreicher als auch für das Gesundheitssystem. Heute sind mehr als 95 % der von den Behörden aufgegriffenen Medikamente aus dem Internet Fälschungen oder Substandard. Um im Kampf gegen die weltweit agierenden Medikamentenfälscher erfolgreich zu sein, werden von Interpol, Polizei, Zoll und Arzneimittelbehörden regelmäßig länder- und kontinentübergreifende Razzien durchgeführt. Im besten Fall ist eine Medikamentenfälschung für den Betroffenen wirkungslos, im schlimmsten Fall gesundheitsschädigend oder sogar tödlich.

Die Internetkäufer wissen oft gar nicht um die gesundheitlichen Folgen, die mit der Einnahme von gefälschten Medikamenten verbunden sind. Die Fälscher stellen ihre Produkte unter schlimmsten hygienischen Zuständen her. Oft bestehen diese „Pillen“ nur aus Staub oder Farbmittel. Sie enthalten keinen oder einen nicht definierten Wirkstoff in einer beliebigen Dosierung.

Keine Fälschungen in den Apotheken

Wem seine Gesundheit lieb und wertvoll ist, der setzt auf qualitativ hochwertige und sichere Medikamente aus der Apotheke. Mit Arzneimitteln experimentiert man nicht. Die streng kontrollierte Beschaffung und Abgabe von Medikamenten durch Apotheken in Österreich verhindert, dass Fälschungen in den Arzneimittelverkehr gelangen.

Fälschungsschutzrichtlinie

Gemäß den Vorgaben der EU Fälschungsschutzrichtlinie sind alle Apotheken seit dem 9. Februar 2019 verpflichtet, verifizierungspflichtige Arzneimittel vor der Abgabe an den Patienten auf ihre Echtheit zu überprüfen. Diese Vorschrift ist unmittelbar für alle Mitgliedstaaten bindend.

Laut dieser Verordnung müssen verschreibungspflichtige Medikamente seit dem 9. Februar 2019 zwei grundlegende Sicherheitsmerkmale aufweisen:

  • Individuelles Erkennungsmerkmal in einem Daten Matrix Code (individuelle Seriennummer, Produktcode, Charge und Verfalldatum)
  • Erstöffnungsschutz/Vorrichtung gegen Manipulation. Das ist etwa eine Sicherheitsfolie, an der sich erkennen lässt, ob die Schachtel noch im Originalzustand ist oder ob daran unbefugt etwas geändert wurde.

Damit wird jede Arzneimittelpackung einzigartig und überprüfbar. Ohne die Überprüfung der Sicherheitsmerkmale und das Ausbuchen vor der Abgabe dürfen verifizierungspflichtige Arzneimittel seit 9. Februar 2019 nicht mehr an Patienten abgegeben werden. Die Echtheitsprüfung erfolgt über ein neues technisches System, in dem die Apotheken an das nationale Datenspeicher- und -abrufsystem (AMVSystem) angebunden sind.

Drogensubstitution

International vorbildhaft ist die Leistung der Apotheker in der Suchtmittelersatztherapie. Die österreichischen Apotheken sind seit vielen Jahren als wichtiger Partner erfolgreich in die Substitutionsbehandlung von Drogenabhängigen eingebunden. Es gibt damit ein österreichweites flächendeckendes Netz, wo die Suchtmittelabhängigen ihre Ersatzdrogen gemäß den gesetzlichen Bestimmungen erhalten.

  Fortgesetzte Behandlung Erstbehandlung
2014 16.287 985
2015 16.584 1.015
2016 17.149 1.073
2017 17.505 1.127
2018 17.870 1.346

Bericht zur Drogensituation 2019

Die Apotheken haben trotz des rasanten Anstieges der Patienten in den letzten 10 Jahren und der sehr aufwändigen Betreuung (Abgabe nur in Tagesdosen, Dokumentation, Verrechungsaufwand etc.) diese Aufgabe zur Zufriedenheit aller erledigt.

Der direkte Kundenkontakt mit dem Apotheker ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.