Chemikalienkennzeichnung NEU

Chemikalienkennzeichnung NEU

Das Global harmonisierte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS, Globally Harmonized System of Classification, Labelling and Packaging of Chemicals) der Vereinten Nationen ist ein weltweit einheitliches System zur Einstufung von Chemikalien sowie deren Kennzeichnung auf Verpackungen und in Sicherheitsdatenblättern. Vgl. dazu auch Wikipedia Global harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien


Auf der Basis dieses Kennzeichnungssystems wurde nach intensiver Vorbereitung für Europa eine eigene Verordnung zur Umsetzung der UN-Modellvorschriften erarbeitet: Die Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 , auch CLP-Verordnung (Regulation on Classification, Labelling and Packaging of Substances and Mixtures) oder GHS-Verordnung genannt, ist am 20. Jänner 2009 in Kraft getreten. Sie ist in Österreich ohne weitere nationale Umsetzung direkt anzuwenden. 


Die Kriterien zur Einstufung (Feststellung der Gefahren) und der daraus resultierenden Kennzeichnung (Etikettierung) von Chemikalien sind derzeit in einer Phase der Umstellung: Das bisher bekannte System gemäß der EU-Stoffrichtlinie läuft schrittweise aus und das neue System, CLP genannt, läuft schrittweise an. Lieferanten müssen einen Stoff bzw. ein Gemisch in einer Verpackung vor dem Inverkehrbringen nach Maßgabe der CLP-Verordnung kennzeichnen, wenn 

  • ein Stoff als gefährlich eingestuft wurde oder 
  • ein Gemisch einen oder mehrere als gefährlich eingestufte Stoffe über einem bestimmten Schwellenwert enthält.

Für Stoffe mit gefährlichen Eigenschaften gelten folgende Übergangsfristen: 

  • Bis zum 30.11.2010 durften Stoffe nach CLP eingestuft und gekennzeichnet werden. 
  • Seit dem 1.12.2010 müssen Stoffe ausschließlich nach CLP eingestuft und gekennzeichnet werden. 
  • Die Abverkaufsfrist für nicht nach CLP gekennzeichnete Stoffe hat mit 1.12.2012 geendet.

Für Gemische (bisher "Zubereitungen" genannt), die Stoffe mit gefährlichen Eigenschaften enthalten, gelten folgende Übergangsfristen: 

  • Bis zum 31.5.2015 dürfen Gemische nach CLP eingestuft und gekennzeichnet werden. 
  • Ab dem 1.6.2015 müssen Stoffe ausschließlich nach CLP eingestuft und gekennzeichnet werden. 
  • Abverkaufsfrist bis 1.6.2017

Durch eine global gültige Einstufungsmethode mit einheitlichen Gefahren-Piktogrammen und Texten sollen die Gefahren für die menschliche Gesundheit und die Umwelt bei Herstellung, Transport und Verwendung von Chemikalien bzw. Gefahrstoffen weltweit minimiert werden. 


Die bisher in der EU geltenden Kennzeichnungsmethoden für Gefahrstoffe werden ersetzt; im GHS treten an die Stelle der 

  • Gefahrensymbole mit ihren Gefahrenbezeichnungen die Gefahrenpiktogramme; gegebenenfalls mit einem gemeinsamen Signalwort („Achtung“ oder „Gefahr“), 
  • R-Sätze die H-Sätze (Hazard Statements) sowie zusätzliche EUH-Sätze (besondere Gefährdungen), 
  • S-Sätze die P-Sätze (Precautionary Statements),

Die Texte sind mit dreistelligen Nummern kodiert. Die Buchstaben stehen für die Art des Hinweises und bei den H- und P-Sätzen geben nach Art der Gefährdung beziehungsweise Typ der Sicherheitsmaßnahme die ersten Stellen der Zahl eine Gruppierung. 


Gefahrenklassen 


Die Art der Gefahr wird durch die Gefahrenklassen wiedergegeben. Statt bisher 15 gefährliche Eigenschaften (z.B.: leicht entzündlich, reizend, gesundheitsschädlich) gibt es künftig 28 Gefahrenklassen, die teilweise noch weiter in Gefahrenkategorien untergliedert werden. Die neuen Gefahrenklassen sind nach physikalischen Gefahren, Gesundheitsgefahren und Umweltgefahren gruppiert und lauten: 

  1. Physikalische Gefahren: 16 Gefahrenklassen 
    1. Explosive Stoffe/Gemische und Erzeugnisse mit Explosivstoff
    2. Entzündbare Gase
    3. Entzündbare Aerosole
    4. Entzündend (oxidierend) wirkende Gase
    5. unter Druck stehende Gase
    6. Entzündbare Flüssigkeiten
    7. Entzündbare Feststoffe
    8. Selbstzersetzliche Stoffe und Gemische
    9. Selbstentzündliche (pyrophore) Flüssigkeiten
    10. Selbstentzündliche (pyrophore) Feststoffe
    11. Selbsterhitzungsfähige Stoffe und Gemische
    12. Stoffe und Gemische, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase entwickeln
    13. Entzündend (oxidierend) wirkende Flüssigkeiten
    14. Entzündend (oxidierend) wirkende Feststoffe
    15. Organische Peroxide
    16. auf Metalle korrosiv wirkend
  2. Gesundheitsgefahren: 10 Gefahrenklassen 
    1. Akute Toxizität
    2. Ätzung/Reizung der Haut
    3. Schwere Augenschädigung/-reizung
    4. Sensibilisierung von Atemwegen oder Haut
    5. Keimzell-Mutagenität
    6. Karzinogenität
    7. Reproduktionstoxizität
    8. Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition)
    9. Spezifische Zielorgan-Toxizität (wiederholte Exposition)
    10. Aspirationsgefahr
  3. Umweltgefahren: 1 Gefahrenklasse 
    Gewässergefährdend
  4. Zusätzliche EU-Gefahrenklasse 
    Die Ozonschicht schädigend

Die Gefahrenklassen und Einstufungskriterien entsprechen mit Ausnahme der letzten Gefahrenklasse ("die Ozonschicht schädigend") dem international anerkannten System für die globalisierte Harmonisierung der Einstufung und Kennzeichnung gefährlicher Chemikalien ("GHS-System"). Die zusätzliche Gefahrenklasse "die Ozonschicht schädigend" stellt derzeit ein Spezifikum in der EU dar. 

Viele Gefahrenmerkmale hat es in ähnlicher Form schon im bisherigen Chemikalienrecht gegeben. Geänderte Einstufungskriterien können allerdings zu einer Verschiebung der Gefährlichkeit führen. Die Gefahrenklasse "unter Druck stehende Gase" hat es bisher im Chemikalienrecht nicht gegeben. 

Die Abstufung der Gefahr innerhalb einer Gefahrenklasse erfolgt durch die Unterteilung in Gefahrenkategorien (hazard category). So werden beispielsweise entzündbare Flüssigkeiten in Abhängigkeit vom Flammpunkt in drei Gefahrenkategorien unterteilt. 

Gefahren-Piktogramme 

Je nach Gefahrenkategorie wird einem Stoff ein bestimmtes Symbol (Piktogramm) zugewiesen. Im Gegensatz zu den bisherigen orange gefärbten Symbolen haben die CLP/GHS-Piktogramme einen weißen Hintergrund mit rotem Rand, ihre Form entspricht einem auf der Spitze stehenden Quadrat. 


Gefahren- und Sicherheitshinweise 


Für jede Gefahrenklasse samt Kategorie, die auf einen Stoff zutrifft, werden ihm ein oder mehrere Gefahrenhinweise (H-Sätze, Hazard Statements) zugeordnet, die ein bestimmtes Gefahrenpiktogramm und gegebenenfalls auch ein Signalwort – entweder Gefahr (danger) oder Achtung (warning) – zur Folge haben sowie eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen (P-Sätze, Precautionary Statements). Die H-Sätze unterscheiden sich in der Formulierung - von wenigen Ausnahmen abgesehen - von den bisherigen Gefahrenhinweisen (R-Sätzen). 


Entsprechend den möglichen Gefahren werden einem chemischen Produkt auch Sicherheitshinweise P-Sätze (Precautionary Statements)zugeordnet. Sie müssen jeweils die Bereiche Prävention, Reaktion, Lagerung, Entsorgung sowie gegebenenfalls allgemeine Sicherheitshinweise abdecken. Die Auswahl der erforderlichen P-Sätze ist detailliert in der Verordnung geregelt. Auch die P-Sätze lauten zum Großteil anders als die bisherigen Sicherheitsratschläge (S-Sätze). 


Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis 


Das Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis von Chemikalien wurde von der europäischen Chemikalienagentur (ECHA) veröffentlicht. In diesem Verzeichnis finden sich die harmonisierten Einstufungen (nach der CLP-VO Anhang VI), die gemeldeten Selbsteinstufungen sowie gemeinsame Einträge der Einstufung, die aus einer Registrierung nach REACH resultieren. 

 


ECHA-Verzeichnis

 


Weitere Regelungen 


Weitere Regelungen der CLP-Verordnung (Verpackung, Nennung gefährlicher Eigenschaften bei der Werbung, Einrichtung einer nationalen Auskunftsstelle für Notfälle etc.) entsprechen weitgehend den geltenden Bestimmungen. 


Änderung bestehender Vorschriften 


Die CLP-Verordnung nimmt auch Änderungen der Stoffrichtlinie (67/548/EWG), der Zubereitungsrichtlinie (1999/45/EG) sowie der REACH-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1907/2006) vor, die zur Anpassung an die neue Verordnung notwendig sind. Eine eigene Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1336/2008) enthält die erforderlichen Änderungen der Detergenzien-Verordnung. Die Richtlinie 2008/112/EG enthält schließlich GHS-relevante Anpassungen weiterer EG-Richtlinien (Kosmetikrichtlinie, Spielzeugrichtlinie, VOC-Richtlinie, Altfahrzeugrichtlinie, Elektroaltgeräterichtlinie sowie Produkt-VOC-Richtlinie). 


Die Stoffrichtlinie (67/548/EWG) und die Zubereitungsrichtlinie (1999/45/EG) mit den entsprechenden Kennzeichnungs-, Einstufungs- und Verpackungsbestimmungen gelten bis zum Ablauf der Übergangsfrist (1. Juni 2015) in geänderter Form weiter, danach finden sie keine Anwendung mehr. 


Übersicht: EU-Gefahrensymbole, CLP/GHS-Gefahrenpiktogramme, UN/ADR-Gefahrensymbole 

 


Quelle: UNECE, Leitfaden zur Anwendung der GHS-Verordnung Umweltbundesamt Deutschland 2007, ADR
(G) Die Gefahrenklassen (Piktogramm) und zusätzlichen Gefahrenkategorien entsprechen ausdrücklich weitestgehend den Gefahrgutklassen 1–9 der UN Recommodations und ADR (wie auch RID, IMDG, DGR, ADN, u. a.) – es ist ein wesentliches Ziel des GHS, die bisher getrennten Gefahrstoff- und transportspezifische Gefahrgutkennzeichnungen auf einheitlicher Rechtsgrundlage zu harmonisieren. In Einzelfällen können sich Abweichungen in Einstufung nach UN-GHS und UN-Rec.Transp./IMO/ICAO-IATA/EU-GG ergeben. Auch Systeme wie US NFPA 704 und CA WHMIS werden angeglichen bzw. ersetzt.
(1) teilweise Gefahrenkategorien ohne Piktogramm und/oder ohne Signalwort
(2) Signalwort Achtung für mindere Gefahrenkategorien
(3) „Flamme“ entfällt im Allgemeinen bei Explosionsgefahr, aber auch zwei Piktogramme für Kategorien besonderer Gefahren (organische Peroxide Typ B, selbstzersetzliche Stoffe und Gemische Typ B)
(4) die als gesundheitsschädlich (früher als mindergiftig) eingestuften Gefahrenkategorien nur mit dickem Ausrufezeichensymbol
(5) ätzend/reizend für Haut und Augen und auf Metalle korrosiv wirkend werden konsequent unterschiedlich gekennzeichnet: ersteres mit Doppelkennzeichnung als „Ätzwirkung“ und „dickes Ausrufezeichensymbol“, Signalwort Gefahr, letzteres nur dieses Piktogramm mit dem Signalwort Achtung
(7) die Kennzeichnung der Unterscheidung sehr giftig/giftig bzw. tödlich (akute Toxizität Kategorie 1/2)/giftig (Kategorie 3) wurde prinzipiell aufgegeben
(8) Das „dicke Ausrufezeichensymbol“ dient der alleinigen oder zusätzlichen Kennzeichnung diverser Kategorien, entfällt auch unter Umständen, Signalwort je nach Zusammenhang
(9) Gewässergefährdend mit Signalwort Achtung, Schädigung der Ozonschicht ohne Piktogramm und mit Signalwort Gefahr

 

 

Folgendes Muster gibt die Anforderungen an ein Kennzeichnungsetikett nach GHS wieder: 


Für Stoffe (Reinsubstanzen) ist nach der CLP-Verordnung seit 1. Dezember 2012 folgendes Kennzeichnungsetikett und die Anordnung der verschiedenen Kennzeichnungselemente verpflichtend. Das Kennzeichnungsetikett enthält folgende Angaben: 

  • Name, Anschrift und Telefonnummer des Lieferanten 
  • Nennmenge des Stoffes oder Gemisches in den Verpackungen, die der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden (sofern diese Menge nicht auf der Verpackung anderweitig angegeben ist) 
  • Produktidentifikatoren 
  • Wo zutreffend Gefahrenpiktogramme, Signalwörter (Gefahr / Achtung), H-Sätze (Gefahrenhinweise), P-Sätze (Sicherheitshinweise) und ergänzende Informationen, die nach Maßgabe anderer Rechtsvorschriften erforderlich sind.


Ausnahmen bei kleinen Packungen 


Die CLP-Verordnung sieht bestimmte Ausnahmen für Stoffe und Gemische in kleinen Verpackungen (normalerweise weniger als 125 ml) bzw. in Verpackungen, die schwer zu kennzeichnen sind, vor. Aufgrund dieser Ausnahmen muss der Lieferant die H-Sätze und/oder die P-Sätze oder Piktogramme, die normalerweise aufgrund der CLP-Verordnung erforderlich sind, nicht auf dem Kennzeichnungsetikett anbringen. 
Kindergesicherte Verschlüsse und tastbare Gefahrenhinweise 


Wenn Stoffe oder Gemische an die breite Öffentlichkeit abgegeben werden, sind die Verpackungen mit kindergesicherten Verschlüssen und/oder tastbaren Gefahrenhinweisen zu versehen, falls diese Stoffe oder Gemische mit bestimmten Gefahren verbunden sind oder die Verpackung Methanol oder Dichlormethan enthält. Ein Überblick über die verschiedenen Gefahren, aufgrund derer diese Verpflichtung zur Geltung gelangt, ist dem Sicherheitsdatenblatt oder dieser Tabelle zu entnehmen.