Cookie-Einstellungen

Dieses Werkzeug hilft Ihnen bei der Auswahl und Deaktivierung verschiedener Tags / Tracker / Analysetools, die auf dieser Website verwendet werden.

Essentiell ? ?
Marketing ? ?

Aspirantenausbildung in öffentlichen Apotheken in Südtirol

Verwaltungsübereinkommen zwischen der Österreichischen Apothekerkammer und der Apothekerkammer der Provinz Bozen

Verwaltungsübereinkommen zwischen der Österreichischen Apothekerkammer und der Apothekerkammer der Provinz Bozen über ein
Aspirantenausbildungsprogramm in öffentlichen Apotheken in Südtirol

Die Österreichische Apothekerkammer und die Apothekerkammer der Provinz Bozen haben es sich zum Ziel gesetzt, Absolventinnen und Absolventen eines österreichischen Pharmaziestudiums, insbesondere Südtirolerinnen und Südtirolern, entsprechend dem Notenwechsel zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regierung der Italienischen Republik über die gegenseitige Anerkennung akademischer Grade und Titel die Absolvierung der einjährigen fachlichen Ausbildung für den Apothekerberuf (Aspirantenausbildung) auch in öffentlichen Apotheken in der Autonomen Provinz Bozen (Südtirol) zu ermöglichen. Zu diesem Zweck vereinbaren sie Folgendes:

Artikel 1

Anwendungsbereich

Dieses Verwaltungsübereinkommen bezieht sich auf Personen, die das Pharmaziestudium an einer österreichischen Universität mit dem akademischen Grad „Magistra der Pharmazie“ oder „Magister der Pharmazie“ abgeschlossen haben, insbesondere auf Südtirolerinnen und Südtiroler, die ihren ordentlichen Wohnsitz im örtlichen Zuständigkeitsbereich der Apothekerkammer der Provinz Bozen haben und die Anerkennung des österreichischen akademischen Grades gemäß dem Notenwechsel in Italien anstreben.

Artikel 2

Aspirantenausbildungsprogramm

Hiermit wird die Einrichtung eines Aspirantenausbildungsprogramms beschlossen, das die Aufgabe hat, den im Art. 1 bezeichneten Personen die Zulassung zu einer einjährigen fachlichen Tätigkeit im Umfang einer Vollbeschäftigung in öffentlichen Apotheken in Südtirol als Voraussetzung für die Ablegung der „Prüfung für den Apothekerberuf“ vor der Prüfungskommission der Österreichischen Apothekerkammer Landesgeschäftsstelle Tirol zu ermöglichen.

Artikel 3

Durchführung des Programms

(1) Einzelheiten über die Durchführung des Aspirantenausbildungsprogramms gemäß Art. 2 werden von den beiden Vertragspartnern mit einem Zusatzübereinkommen (Reglement) vereinbart.

(2) Die Durchführung dieses Verwaltungsübereinkommens begründet keine wechselseitigen finanziellen Verpflichtungen der beiden Vertragspartner.

Artikel 4

Ausstellung der Zeugnisse

Auf Antrag stellt die Österreichische Apothekerkammer im Wege der Landesgeschäftsstelle Tirol der Absolventin bzw. dem Absolventen nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung gemäß Artikel 2 und erfolgreicher Ablegung der „Prüfung für den Apothekerberuf“ bei der Prüfungskommission der Österreichischen Apothekerkammer Landesgeschäftsstelle Tirol das „Zeugnis über die Aspirantenprüfung“ sowie das Staatliche Apothekerdiplom gemäß § 3a des Apothekengesetzes aus.

Reglement zum Verwaltungsübereinkommen betreffend Aspirantenausbildung in Südtirol

§ 1. (1) Die vorgeschriebene einjährige fachliche Ausbildung erfolgt in einer öffentlichen Apotheke in der Autonomen Provinz Bozen (Südtirol), die hiezu geeignet ist und unter der Leitung eines zur Ausbildung befähigten Apothekenleiters steht.

(2) Ausbildungsverantwortlicher ist der Apothekenleiter. Er kann mit dieser Aufgabe aber auch einen anderen im Volldienst in dieser Apotheke tätigen allgemein berufsberechtigten Apotheker betrauen.

(3) In der Apotheke darf jeweils nur ein Aspirant ausgebildet werden. Die Ausbildung eines zweiten Aspiranten ist jedoch zulässig, wenn

  1. ein Aspirant seine Ausbildung unterbrochen hat,
  2. diese verlängert wurde,
  3. mindestens einer der beiden Aspiranten im Halbdienst gemäß § 2 Abs. 2 ausgebildet wird oder
  4. nach Mitteilung gemäß Abs. 3a.

(3a) Die Österreichische Apothekerkammer teilt auf Ersuchen mit, ob die Ausbildung eines zweiten Aspiranten möglich ist, wenn die Apothekerkammer der Provinz Bozen bestätigt, dass

  1. gewährleistet ist, dass außer dem Ausbildungsverantwortlichen nachweislich zwei oder mehrere weitere allgemein berufsberechtigte Apotheker in einem Beschäftigungsausmaß von insgesamt mindestens eineinhalb Volldiensten in dem Betrieb beschäftigt sind und
  2. dies die Arbeitsmarktlage für Aspiranten in Abwägung der Arbeitsmarktlage für allgemein berufsberechtigte Apotheker erfordert.

(3b) Die Mitteilung gemäß Abs. 3a gilt für einen Zeitraum von zwei Jahren, gerechnet ab dem festgelegten Wirksamkeitsdatum.

(3c) Die Ausbildung eines zweiten Aspiranten hat erforderlichenfalls unter Auflagen und Bedingungen zu erfolgen, wenn deren Erfüllung oder Einhaltung für die gesetzmäßige Ausübung der Ausbildungstätigkeit oder die Sicherstellung eines qualitativ hochwertigen Ausbildungsniveaus geboten ist.

(3d) Die Ausbildung eines zweiten Aspiranten ist von der Österreichischen Apothekerkammer von Amts wegen zu widerrufen, wenn das Gesamtbeschäftigungsausmaß von allgemein berufsberechtigten Apothekern in dem Betrieb schon ursprünglich nicht gegeben war oder sich zwischenzeitlich reduziert hat und nicht mehr gegeben ist. Vor dem Widerruf ist die Apothekerkammer der Provinz Bozen zu hören.

(3e) Der Widerruf gemäß Abs. 3d ist so auszusprechen, dass die zum Zeitpunkt der Mitteilung gemäß Abs. 3a in dem Betrieb beschäftigten Aspiranten ihre Ausbildung in diesem Betrieb abschließen können.

(4) Der Apothekenleiter hat die beabsichtigte Aufnahme eines Aspiranten 14 Tage vor dessen Eintritt der Österreichischen Apothekerkammer Landesgeschäftsstelle Tirol und der Apothekerkammer der Provinz Bozen unter Bekanntgabe des Ausbildungsverantwortlichen mittels des Formblattes A zu melden. Die Apothekerkammer der Provinz Bozen hat binnen einer Woche der Landesgeschäftsstelle Tirol mitzuteilen, ob die Apotheke und der Ausbildungsverantwortliche zur Ausbildung von Aspiranten geeignet sind und den Apothekenleiter vom Ergebnis ihrer Prüfung in Kenntnis zu setzen. Die Apotheke oder der Ausbildungsverantwortliche ist zur Ausbildung von Aspiranten nicht geeignet, wenn einer der Tatbestände gemäß §1a erfüllt ist.


§ 1a. Der Ausbildungsverantwortliche ist zur Ausbildung von Aspiranten nicht geeignet,

  1. wenn gegen den Ausbildungsverantwortlichen wegen einer gerichtlich strafbaren Handlung nach dem Suchtmittelrecht, wegen einer vorsätzlichen, mit mehr als einjähriger Freiheitsstrafe bedrohten Handlung, wegen einer mit Bereicherungsvorsatz begangenen strafbaren Handlung oder wegen einer strafbaren Handlung gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, sofern durch diesen Umstand ein Nachteil für die Aspiranten zu befürchten ist,
  2. wenn der Ausbildungsverantwortliche wegen einer der in Z 1 angeführten strafbaren Handlungen vom Gericht rechtskräftig verurteilt worden ist, ohne dass die Strafe bedingt nachgesehen worden ist,
  3. wenn der Ausbildungsverantwortliche nicht über die gesundheitliche Eignung in sinngemäßer Anwendung des § 3 Abs. 1 Z 6 Apothekengesetz verfügt, oder
  4. wenn der Ausbildungsverantwortliche die Pflichten gegenüber seinem auszubildenden Aspiranten gröblich verletzt, insbesondere wenn er an dem nicht entsprechenden Ergebnis der Fachprüfung für den Apothekerberuf Schuld trägt.
     

§ 2. (1) Die Ausbildungszeit dauert ein Jahr.

(2) Die Österreichische Apothekerkammer kann aus besonders berücksichtigungswürdigen Gründen, wie beispielsweise einer Behinderung oder Erkrankung, der Betreuung eines Kleinkindes, der längerfristigen Pflege eines nahen Angehörigen oder der Verfassung einer Dissertation, die Ausbildung im Halbdienst in der Dauer von zwei Jahren bewilligen. Vor Erteilung der Bewilligung ist die Apothekerkammer der Provinz Bozen zu hören. Ein einmaliger Wechsel des Ausbildungsdienstausmaßes ist zulässig.

(3) Auf die Ausbildungszeit sind nur Zeiten

  1. des gesetzlichen bzw. des kollektivvertraglichen Urlaubs und
  2. von Dienstverhinderungen infolge Krankheit bis zu einer Gesamtdauer von vier Wochen

anzurechnen.

(4) Die fachliche Ausbildung ist vorbehaltlich des Abs. 5 ohne Unterbrechung durchzuführen.

(5) Eine Unterbrechung ist nur in begründeten Fällen zulässig. Eine Unterbrechung, die nicht infolge Präsenzdienstleistung oder Beschäftigungsverbot und Karenzurlaub nach der Geburt eines Kindes erfolgt, bedarf der Bewilligung durch die Österreichische Apothekerkammer. Vor Erteilung der Bewilligung ist die Apothekerkammer der Provinz Bozen zu hören.

(6) Eine Unterbrechung kann auch aus schwerwiegenden gesundheitlichen, persönlichen oder familiären Gründen auf Antrag des Aspiranten oder von Amts wegen erfolgen. Über das Vorliegen eines solchen Unterbrechungsgrundes entscheidet die Österreichische Apothekerkammer nach Anhörung der Apothekerkammer der Provinz Bozen.

(7) Im Fall einer unzulässigen Unterbrechung werden die zurückgelegten Ausbildungszeiten nicht angerechnet und die fachliche Ausbildung ist neu zu beginnen.

(8) Die Ausbildungszeit verlängert sich um die Dauer von Dienstverhinderungen infolge Krankheit oder Unfalls, die über die Gesamtdauer gemäß Abs. 2 Z 2 lit b hinausgehen.


§ 3. (1) Der Ausbildungsverantwortliche hat die Pflicht, einen in fachlicher Ausbildung stehenden Aspiranten in allen Zweigen der fachlichen Tätigkeit sorgfältig auszubilden und die Tätigkeit des Aspiranten gewissenhaft zu beaufsichtigen. Der Ausbildungsverantwortliche kann hinsichtlich einzelner Ausbildungsinhalte auch einen anderen allgemein berufsberechtigten Apotheker betrauen.

(2) Während der Ausbildungszeit hat sich der Aspirant der praktischen Ausbildung für den Apothekerberuf ausschließlich zu widmen. Eine weitere erwerbsmäßige Beschäftigung ist der Österreichischen Apothekerkammer zu melden. Die erwerbsmäßige weitere Beschäftigung ist von der Österreichischen Apothekerkammer zu untersagen, wenn diese nach Art oder Umfang den Zweck der fachlichen Ausbildung beeinträchtigt.

(3) Der Aspirant ist zur Teilnahme an dem von der Österreichischen Apothekerkammer Landesgeschäftsstelle Tirol veranstalteten Aspirantenkurs verpflichtet.

(4) Aspiranten sind bis zur Beendigung der Ausbildungszeit zu beschäftigen oder bis zur Ablegung der Wiederholungsprüfung weiter zu beschäftigen.


§ 4. Dem Aspiranten ist von dem zur Ausbildung berechtigten Apothekenleiter über die in der Apotheke zugebrachte Ausbildungszeit ein Zeugnis (Formblatt C) auszustellen, welches von der Südtiroler Apothekerkammer zu bescheinigen ist.


§ 5. (1) Der Aspirant hat unter Vorlage des Zeugnisses gemäß § 4 und unter Erlag der festgesetzten Prüfungstaxe bei der Österreichischen Apothekerkammer Landesgeschäftsstelle Tirol um Zulassung zur Ablegung der praktischen Prüfung für den Apothekerberuf in Innsbruck spätestens einen Monat vor Ablauf seiner Ausbildungszeit (§ 2) schriftlich anzusuchen.

(2) Für die Prüfungsanmeldung, Prüfungsorganisation, Prüfungskommission und Prüfungsstoff gelten die §§ 8 bis 15 der Pharmazeutischen Fachkräfteverordnung.