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Klima, Krieg & Krise – Rückblick auf ein turbulentes Jahr

Waren wir zu Silvester 2021 allesamt der Meinung, die größte Herausforderung des jungen Jahrzehnts gemeistert und weitgehend erfolgreich hinter uns gebracht zu haben, belehrte uns 2022 schnell eines Besseren.  Mit dem Ausbruch eines Krieges in Europa hatte bis zum 24. Februar wohl niemand gerechnet – die Energiekrise, die Russlands Angriff auf die Ukraine im Schlepptau mit sich führte, machte die Verunsicherung komplett. Plötzlich rückte der Reaktorunfall in Tschernobyl wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung, die Inflation schoss in die Höhe, und neue Drohszenarien wie Blackout und Energienotstand machten sich in den Schlagzeilen breit.

Präsidium und Direktion der Apothekerkammer

Verängstigte Kundinnen und Kunden, Lieferengpässe auf dem Arzneimittelmarkt, steigende Betriebskosten bei gleichzeitigem Arbeitskräftemangel und last, but not least die gute alte Pandemie ließen auch das Jahr 2022 für die Apothekerinnen und Apotheker wieder zu einer besonderen Herausforderung werden. Für ihre Mitglieder das Beste aus der Situation zu machen und Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, die trotz aller Hindernisse die hochwertige Arzneimittelversorgung der Bevölkerung ermöglichen, bestimmte als oberste Maxime das Handeln der Apothekerkammer und ihres neu – bzw. weitgehend wieder – gewählten Präsidiums, das inmitten all der Turbulenzen im April 2022 seine Funktion antrat.

Die reibungslose Abwicklung der Kammerwahlen neben der Bewältigung der aktuellen Krisen stellte die Direktion und die Rechtsabteilung im ersten Quartal vor eine Mammutaufgabe – was die Direktion nicht daran hinderte, die umfassende Kammerreform auch in diesem Jahr weiter zu verfolgen und zusätzliche Modernisierungs- und Digitalisierungsschritte zu setzen.

Coronatests und e-Medikation in der Verlängerung

Die Erfolgsbilanz dieses ungewöhnlichen Jahres kann sich sehen lassen: So erreichten die Kammervertreter etwa, dass die COVID-19-Testungen in Apotheken und die Abgabe von kostenlosen Wohnzimmertests das ganze Jahr hindurch weiterbetrieben und letztlich bis Juni 2023 verlängert wurden. Damit sichern die Apothekerinnen und Apotheker auch heuer wieder – in manchen Bundesländern sogar als einzige flächendeckende Anbieter – den einfachen Zugang zu kostenlosen Coronatests für alle Menschen in Österreich.

 

Eine ernsthafte Gefährdung des reibungslosen Betriebs in den Apotheken drohte allerdings Mitte des Jahres, als die kontaktlose Rezepteinlösung in der e-Medikation auslaufen und dem e-Rezept weichen sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Apotheken noch nicht mit den notwendigen Lesegeräten beliefert worden (was für etliche von ihnen nach wie vor zutrifft), und zahlreiche technische und prozessuale Fragen ungeklärt. Dank des unermüdlichen Einsatzes des Präsidiums und des Kammerteams konnte eine Verlängerung des vereinfachten Abgabemodus über die e-Medikation erreicht und das befürchtete Chaos vermieden werden. Hinter diesem Erfolg standen unzählige Mailwechsel und Telefonate mit Entscheidungsträgern, schriftliche Expertisen und persönliche Gespräche, Informationsschreiben und mündliche Auskünfte für die Mitglieder, die vor allem das Team der Rechtsabteilung und der Stabsstelle IT und Digitalisierung nahezu rund um die Uhr in Atem hielten.

Damit war es allerdings nicht getan: Mit der gesetzlichen Erweiterung der Einsicht in die e-Medikation auf 28 Tage nach Stecken der e-Card und dem Eintragungsrecht für Apothekerinnen und Apotheker in den e-Impfpass wurden unter Federführung der beiden Abteilungen weitere Meilensteine erreicht, die mit ihrer technischen Umsetzung im Frühsommer 2023 neue Möglichkeiten für Services in der Apotheke eröffnen werden.

Lust auf Neues

Wie hoch das Interesse der Mitglieder an neuen Dienstleistungen ist, zeigt nicht zuletzt die rege Teilnahme an den Fortbildungsveranstaltungen der Apothekerkammer, die im vergangenen Jahr im digitalen Bereich Rekorde erzielte und – anders als in vielen anderen Branchen – auch bei den APOkongressen vor Ort wieder Vorkrisenniveau erreichte.

Den ungebrochenen Fortbildungswillen der Apothekerinnen und Apotheker beweist unter anderem der rege Zulauf zu dem Zertifikatskurs „Klinische Pharmazie – Medikationsanalyse“, der seit dem Wintersemester 2020/2021 von der Universität Wien gemeinsam mit der Apothekerkammer angeboten wird. Um den Bildungshunger unserer Mitglieder zu stillen, soll aufbauend auf diesen Zertifikatskurs ab dem Wintersemester 2023/24 ein Masterstudium „Klinische Pharmazie“ an der Universität Wien zur Verfügung stehen, das unter Federführung der Fort- und Weiterbildungsabteilung in Kooperation mit allen Universitäten auf die Beine gestellt wird.

Einen Weg in die Zukunft weist auch das vom Dachverband der Sozialversicherungsträger geförderte Pilotprojekt Medikationsanalyse. Von Juni 2022 bis Mai 2024 in ausgewählten Testapotheken durchgeführt und engmaschig vom Team der Fortbildungsabteilung betreut, zielt es darauf ab, die Sozialversicherung vom Mehrwert der Medikationsanalyse zu überzeugen und dieses IT-gestützte Service als bezahlte apothekerliche Dienstleistung zu etablieren.

Omnipräsent in Wort und Bild

Überzeugungsarbeit anderer Art leistete im vergangenen Jahr die Stabsstelle Kommunikation. Neben der erfolgreich weitergeführten Kampagne „Auf Nummer sicher“, die insbesondere in den sozialen Medien enorme Zugriffszahlen erzielte, und einer Videoserie zur Bewerbung des Apotheker:innenberufs bei jungen Erwachsenen widmete sich eine eigene Imagekampagne den Krankenhausapothekerinnen und -apothekern.

Mit dem APOtalk hat die Apothekerkammer ein neues Gesprächsformat ins Leben gerufen: Einmal im Quartal lädt sie hochrangige Entscheidungsträger:innen aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft sowie Expert:innen aus Pharmazie, Medizin und Pflege zu einer 60-minütigen Diskussion in die altehrwürdige Bibliothek des Apothekerhauses ein. Das Gespräch wird von mehreren Kameras professionell begleitet und live im Internet übertragen. Den Startschuss bildete am 5. Oktober eine Diskussion zwischen Gesundheitsminister Johannes Rauch, dem deutschen Philosophen Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin und Apothekerkammerpräsidentin Mursch-Edlmayr zu dem Thema „Freiheit und Verantwortung: Wie kommen wir sicher durch den Corona-Herbst?“

Totaler Durchblick

Wer nun den Eindruck bekommt, die Apothekerkammer würde sich für alles Mögliche interessieren, nur nicht für die Pharmazie, der irrt. Mit dem Kompendium „Ophthalmica“ erblickte im Mai dieses Jahres ein lange und mit viel Herzblut ausgebrütetes „Baby“ das Licht der Welt: Unter dem Motto „Vier Augen sehen mehr als zwei“ hat sich das Gemeinschaftsprojekt zwischen Österreichischer Ophthalmologischer Gesellschaft und Österreichischer Apothekerkammer das Ziel gesetzt, ein gemeinsames Kompendium standardisierter und praktikabler Augentropfenrezepturen auszuarbeiten. Dieses Werk wurde von einem interdisziplinären Team, bestehend aus Pharmazeutinnen und medizinischen Expert:innen ausgearbeitet und enthält magistrale ophthalmologische Rezepturen, die sowohl für Fachärzt:innen für Ophthalmologie als auch für Apotheker:innen in öffentlichen Apotheken und Krankenhausapotheken von unmittelbarer Bedeutung für ihre Berufspraxis sind.

Wohin geht die Reise?

Für das nächste Jahr stehen weitere wichtige Themen auf der Tagesordnung: 2022 hat die Apothekerkammer die vor der Pandemie begonnenen Verhandlungen mit den Sozialversicherungsträgern wieder aufgenommen, um die längst überfälligen Reformen in der Honorierung der Apothekenleistung zu erreichen. Dies betrifft insbesondere, aber nicht ausschließlich die Arbeitstaxen für die Herstellung von magistralen Zubereitungen und Galenika, die seit Jahrzehnten nicht valorisiert wurden. Die Wirtschaftsabteilung hat mit Unterstützung der Pharmazeutischen Abteilung umfangreiche Berechnungen dazu angestellt und Modelle erarbeitet, die der Diskussion zugrunde gelegt werden.

Dem Weltgeschehen geschuldet, richtet sich der Fokus unserer Aufmerksamkeit auch auf das Thema Krisenvorsorge. Unter professioneller Anleitung arbeitet das Kammerteam an Krisenplänen sowohl für die Apothekerkammer als auch für die einzelnen Betriebe, damit wir im Falle eines Falles gerüstet sind und mit vereinten Kräften die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung selbst unter widrigen Umständen aufrechterhalten können.

Möglich sind diese und andere Projekte – etwa die elektronische Umsatzmeldung oder Beantragung der Nachtdienstunterstützung – dank des Zukunfts- und Nachhaltigkeitsfonds der Apothekerkammer, der sich aus den Umlagen aus Testumsätzen der Apotheken speist. Diese Mittel werden zur Gänze in Projekte investiert, die der langfristigen Absicherung des Berufsstandes und der Ausweitung der Services der Kammer für ihre Mitglieder dienen.

In diesem Sinne werden auch die Digitalangebote sowohl für die Mitglieder als auch für die Öffentlichkeit weiter ausgebaut. Die Website der Apothekerkammer wird in einen modernen Content-Hub verwandelt, der für die Bevölkerung die erste digitale Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen jeglicher Art darstellen soll. Wichtiger Bestandteil ist eine stark verbesserte, dynamische Apotheken-Suchfunktion. Daneben planen die Stabsstellen Kommunikation sowie IT und Digitales die Erstellung einer neuen, modernen App für Kammermitglieder, über die sie wichtige Informationen schnell und einfach erhalten, suchen und finden sowie ihre Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen organisieren können.

Innovation und Verantwortung – sicher in die Zukunft

Den Startschuss für diese App wird die kombinierte Veranstaltung APOtag & APOkongress bilden, die anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Österreichischen Apothekerkammer von 15. bis 17. Juni 2023 in Wien stattfindet. Neben der regulären Fortbildung für Apotheker:innen, ausnahmsweise von Pörtschach in die Bundeshauptstadt verlegt, werden in hochrangig besetzten Vorträgen und Diskussionsrunden unter dem Motto „Innovation und Verantwortung – sicher in die Zukunft“ neue Perspektiven für das Gesundheitswesen der Zukunft erörtert und mutige Visionen entwickelt.

Wir freuen uns auf rege Teilnahme unserer Mitglieder an diesem besonderen Event, mit dem wir nicht nur der Erfolge der Vergangenheit gedenken, sondern auch die Weichen für die Apotheke und den Apothekerberuf von morgen stellen wollen!

Autorin: Mag. Karin Rösel-Schmid, stv. Kammeramtsdirektorin