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Tag der Antibabypille

Kleine Pille, große Wirkung, viele Diskussionen

Bis vor rund 60 Jahren hatten Frauen kaum eine Möglichkeit, eine Schwangerschaft zu verhüten. Bei jedem Sexualakt musste befürchtet werden, ungewollt schwanger zu werden. Dies sollte sich mit der Entwicklung der „Antibabypille“ ändern. Das erste medikamentöse, orale Verhütungsmittel kam in den USA am 18. August 1960 auf den Markt. Seither gilt der 18. August darum weltweit als „Tag der Antibabypille“.

Alles beginnt in Österreich

Bereits in den 1920er Jahren hatte ein Österreicher wichtige Vorarbeiten geleistet. Der Physiologe Ludwig Haberlandt hatte entdeckt, dass eine bestehende Trächtigkeit bei Ratten eine weitere Befruchtung verhindern kann. Ihm kam daraufhin der Einfall, Frauen Schwangerschaftshormone zu verabreichen, um sie vorübergehend unfruchtbar zu machen.

Die Beobachtungen des Österreichers Ludwig Haberlandt bei Experimenten mit Ratten bereiteten der Entwicklung der Antibabypille den Weg.

Diese Idee in die Praxis umzusetzen, war jedoch ein langer Weg, da die Isolierung von menschlichen Sexualhormonen ein schwieriges Unterfangen darstellte. Besondere Verdienste erwarb sich dabei der aus Wien in die USA emigrierte Carl Djerassi. Dem Chemiker gelang es 1951, mit Norethisteron die erste oral aktive synthetische Variante des Sexualhormons Gestagen herzustellen.

Einen großen Schub erhielt die Entwicklung durch die Krankenschwester und Feministin Margaret Sanger. Sie sammelte viel Geld, um die Erforschung eines einfachen Verhütungsmittels in Form einer Pille voranzutreiben. Mit dieser Unterstützung gelang dem Pharmakologen Gregory Pincus gemeinsam mit seinem Kollegen John Rock der Durchbruch.

Sexualität ohne Fortpflanzung

Sie schafften es, das Schwangerschaftshormon Progesteron und das weibliche Hormon Östrogen künstlich herzustellen. Progesteron unterband den Eisprung und damit eine mögliche Befruchtung. Das von ihnen zufällig entdeckte Östrogen machte die Einnahme des Mittels erträglicher. 1960 kam ihre „Pille“ in den USA auf den Markt. In Österreich wurde sie 1962 zugelassen. Sexualität und Fortpflanzung waren nun nicht mehr direkt miteinander verknüpft.

Der aus Wien stammende Chemiker Carl Djerassi stellte die erste oral aktive synthetische Variante des Sexualhormons Gestagen her.
Gregory Pincus entwickelte gemeinsam mit John Rock die erste marktfähige Antibabypille der Welt.
Die Krankenschwester Margaret Sanger war eine der treibenden Kräfte hinter der Entwicklung eines einfachen Verhütungsmittels für Frauen.
Papst Paul VI. und anderen konservativen Kräften war das neue Verhütungsmittel ein Dorn im Auge.

Konservative Politiker:innen und Institutionen wie die Kirche liefen zunächst Sturm gegen das neue Verhütungsmittel. Papst Paul VI. belegte es in seiner Enzyklika „Humanae Vitae“ gar mit einem Bann, was ihm den spöttischen Beinamen „Pillen-Paul“ einbrachte. Aber gegen die sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung, die die „Pille“ den Frauen gab, verblassten die Argumente der Kritiker:innen.

Für Kontroversen sorgte auch die Bezeichnung. Mitentwickler Djerassi sagte, dass die „Pille“ kein Mittel gegen Babys sei, sondern ein Mittel für die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Frau. In der DDR hieß sie ab 1965 „Wunschkindpille“. Heute sind Dutzende Produkte mit verschiedenen Hormonkombinationen erhältlich. Der Überbegriff „Antibabypille“ hat sich aber über die Jahre gehalten.

Pille: sicher und zuverlässig

Heute ist die „Pille“ gemeinsam mit dem Kondom das beliebteste Verhütungsmittel und auch das statistisch gesehen zuverlässigste. Von 1000 Frauen, die mit der „Pille“ verhüten, werden innerhalb eines Jahres nur etwa 3 schwanger. Sie bietet Möglichkeiten der Familien- und Lebensplanung, von denen frühere Frauengenerationen nur träumen konnten.

In Österreich ist die „Pille“ rezeptpflichtig und darf darum nur in Apotheken abgegeben werden.

Die „Pille“ ist aber kein völlig harmloses Mittel, sondern greift in den weiblichen Hormonhaushalt ein und kann auch Nebenwirkungen haben wie z.B. Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen oder Thrombosen. Darum ist sie rezeptpflichtig und die richtige Anwendung bedarf nach einer ärztlichen Verschreibung einer pharmazeutischen Beratung in der Apotheke, z.B. zum Abklären von möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.