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Pflanzen und Pflanzenbilder transportieren Botschaften
 
Neuerscheinung: Blumen, Blätter und Früchte - Symbole und Ikonen für Kriege und Revolutionen
 
Oscar Wilde sagt: „Es ist wichtiger, dass jemand sich über eine Blüte freut, als dass er ihre Wurzel unter das Mikroskop bringt.“ Angetrieben von dieser Freude beschäftigt sich der Pharmazeut, Autor und Volkskundler Bernd Mader in seinem neuesten Buch mit ästhetischen sowie sozial- und kulturwissenschaftlichen Aspekten von Blumen, Blättern und Früchten.

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Prachtvolles Deckenfresko in der Apotheke der Barmherzigen Brüder in Wien (um 1740).
Im unteren Bildteil in der Mitte das Ordenssymbol: Ein Granatapfel mit Kreuz.

Prof. Bernd Mader bei einer Führung im Grazer Apothekenmuseum.
Sag es mit Blumen

Bereits in der antiken Rhetorik war der lateinische Begriff flosculus ‚Blümchen‘ für eine verhüllende Redeweise bekannt. Daraus entstand übrigens das deutsche Wort „Floskel“. Und wenn wir heute etwas nonverbal „durch die Blume sagen“, dann sollte man eigentlich davon ausgehen, dass auch der Empfänger die Blumensprache kennt, die im 18. und 19. Jahrhundert noch allgegenwärtig war. Was ein Strauß roter Rosen sagen soll, ist wohl jedem bekannt. Das Vergissmeinnicht hat schon durch seinen Namen eine klare Symbolik. Aber wie sieht es mit dem Maiglöckchen, der Kornblume und dem Edelweiß aus? Was haben Mimosen mit dem Weltfrauentag zu tun und wie kam Irland zum Kleeblatt-Symbol?

Bernd Mader hat sich mit diesen Fragen beschäftigt. Und wenn auch sein Buch den Untertitel „Politische Symbole und Ikonen für Kriege und Revolutionen“ trägt, so finden wir darin auch viele unblutige, friedliche und sogar humorvolle Interpretationen, wie folgende Beispiele zeigen:

Granatapfel, Chrysantheme und Kaktus

Seit der Antike ist der Granatapfel ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit, für die Einheit in der Vielheit, aber auch für Macht (Reichsapfel). Sein Strauch trägt gleichzeitig Blätter, Blüten und Früchte mit vielen blutroten Samen, die dem Schmuckstein Granat ähneln. Der geöffnete Granatapfel ist das Wappen der Stadt Granada, dem Herkunftsort der Barmherzigen Brüder, die diese mediterrane Frucht ebenfalls als Symbol führen. Der Granatapfel taucht als Wahrzeichen der Barmherzigen Brüder auch in den Ordens-Apotheken immer wieder auf.

Bei der konstituierenden Sitzung des Wiener Gemeinderates am 24. November 2015 trugen  Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou und Klubobmann David Ellensohn grüne Chrysanthemen am Revers bzw. am Kleid befestigt. Eine Anfrage des Buchautors bei den „Grünen“, warum man ausgerechnet eine Chrysantheme auswählte, brachte prompt Aufklärung: „Weil sie die Rathaus-Blumenhandlung gerade hatte.“ Und bei der konstituierenden Sitzung der Abgeordneten zum Nationalrat am 9. November 2017 brachten die „Neos“ einen Kaktus mit einer pinken Blüte mit. Sukkulenten findet man eher selten als Symbol.

In Zeiten, in denen Symbole „Cliparts“ oder "Emoji" heißen und in unüberschaubarer Zahl durch einfachen Mausklick aus dem Computer oder aus dem Internet gezaubert werden können, geraten die Geschichten der Logos, Signets, Piktogramme und Zeichen oft in Vergessenheit und Symbole werden eher nach dem persönlichen Geschmack und nicht nach der überlieferten Bedeutung ausgewählt. Die Arbeit über vergessene bzw. bisher großteils unbekannte Pflanzen-Symbole kann einem breiten Leserkreis empfohlen werden. In der Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer darf die Neuerscheinung nicht fehlen. Der Autor hat dankenswerter Weise unserer Bibliothek bereits ein Exemplar übergeben.

Autorenportrait
Prof. Mag.pharm. Dr.phil. Bernd Elmar Mader, geboren 1941 in Wien, Matura und Pharmaziestudium in Graz; 17 Jahre in öffentlichen Grazer Apotheken tätig; nach Studium der Volkskunde (Nebenfach Ethnologie) 1987 Promotion zum Dr. phil. Von 1984 bis 2006 war er Anstaltsapotheker und aHPh (approved Hospital Pharmacist) im LKH-Univ. Klinikum Graz, bzw. ab 1998 dessen stellvertretender Leiter. Darüber hinaus war er von 1998 bis 2006 Konsiliarapotheker für sechs steirische Landesspitäler, viele Jahre lang Mitglied des Vorstands der Österr. Apothekerkammer und in verschiedenen Arbeitsausschüssen tätig. Er wirkt auch als Vortragender und Prüfer für Aspiranten und ist seit 2006 allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger in Apotheken-Angelegenheiten. Dr. Mader erhielt zahlreiche Auszeichnungen, insbesondere das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark (2008) und den Berufstitel Professor (2012).
 
Neben seiner Arbeit galt und gilt sein Interesse dem Apothekenmuseum des Grazer Stadtmuseums.

Bisher 34 Veröffentlichungen zu pharmazeutisch-fachlichen und 78 zu pharmaziehistorischen und volkskundlichen Themen.

Sein jüngstes Buch „Blumen, Blätter und Früchte - politische Symbole und Ikonen für Kriege und Revolutionen“ ist im Frühjahr 2018 im Verlag Weißhaupt erschienen.
ISBN: 978-3-7059-0513-9
14 x 21,5 cm, 160 Seiten,
153 Farbabb., Hardcover, geb.

Lesen Sie auch:
Österreichische Apotheker-Zeitung 16/2018 Seite 54-55: Historische Schmankerln
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Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer / ÖAZ Historische Schmankerln