Krankheiten des Vergessens - Demenz und Alzheimer
 
Welt-Alzheimer-Tag am 21. September
 
An einer Demenzerkrankung leiden in Österreich rund 100.000. Personen. Bis zum Jahr 2050 wird diese Zahl laut der Österreischischen Alzheimer Gesellschaft auf etwa 230.000 ansteigen. Die häufigste Form der Demenz ist mit 60 bis 80 Prozent der Krankheitsfälle Alzheimer, gefolgt von vaskulärer Demenz (15-20%) und der Demenz mit Lewy-Bodies. Mischformen sind häufig.
Ursachen für Demenz sind nicht nur primär degenerativ, auch neurologische Erkrankungen, psychiatrische Krankheiten wie z.B. Depressionen, internistische Erkrankungen wie z.B. Schilddrüsenfunktionsstörungen und die chronische Einnahme bestimmter Medikamente können zu Beeinträchtigungen des Gedächtnisses führen. Für die Versorgung Demenzkranker wird österreichweit pro Jahr etwa eine Milliarde Euro ausgegeben.
Demenz - Vergesslichkeit im Alter
Im Alter ist ein gewisses Maß an Vergesslichkeit normal. Diese ist bei einigen Menschen mehr, bei anderen weniger stark ausgeprägt ist. Manche biologische Vorgänge sind beim älteren Menschen einfach verlangsamt und eingeschränkt. Da beispielsweise auch das Hör- und Sehvermögen abnimmt, können Informationen auch gar nicht mehr so schnell und in einem solchen Umfang wie früher aufgenommen werden. Treten aber häufig und über längere Zeit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Orientierung auf, so ist dies ein Grund einen Arzt aufzusuchen. In manchen Fällen wird der Arzt feststellen, dass es sich um eine Demenz handelt, d.h. um ein typisches Muster von geistigen Leistungseinschränkungen und Verhaltensänderungen. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit, es gibt aber auch eine Reihe anderer Demenzformen, die zum Teil gut behandelbar sind.
Alzheimer - Krankheit des Vergessens
Vor rund 100 Jahren diagnostizierte der deutsche Nervenarzt Dr. Alois Alzheimer zum ersten Mal die Krankheit, die später nach ihm benannt wurde: Morbus Alzheimer ist eine degenerative Krankheit, die langsam und fortschreitend Nervenzellen zerstört. Am 26. November 1901 begegnete Alzheimer einer verwirrten und orientierungslosen älteren Patientin. Dr. Alzheimer nannte diesen Zustand "Die Krankheit des Vergessens". Nach ihrem Tod 1906 sezierte er ihr Gehirn und entdeckte Eiweißablagerungen in Form von Plaques in der gesamten Hirnrinde.

Der Krankheitsverlauf von Alzheimer ist gut erforscht. Giftige Eiweiße wie Amyloid und Tau-Protein formen im Gehirn Fädchen und steinharte Klumpen, so groß wie Hirsekörner. Die Folge sind irreparable Schäden im Geflecht der Nervenzellen. Die Alzheimer-Krankheit beeinträchtigt das Gedächtnis und andere seelische Leistungen wie Denken und Sprache. Sie kann auch andere Schwierigkeiten wie Verwirrheit, Veränderungen der Stimmung und Desorientierung hervorrufen. Alzheimer wird oft die Krankheit des 21. Jahrhunderts genannt, denn unsere Gesellschaft wird immer älter und dadurch steigen auch die Alzheimerfälle signifikant an.

Welt-Alzheimer-Tag am 21. September
Mit dem Welt-Alzheimertag will die Internationale Alzheimer-Gesellschaft (Alzheimer’s Disease International, ADI) die Aufmerksamkeit auf diese schwere und zunehmend häufiger auftretende Erkrankung richten. Seit 1994 finden am 21. September in aller Welt vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen. ADI ist die Dachorganisation von 94 Alzheimer-Vereinigungen auf der ganzen Welt. Sie unterstützt weltweit die Gründung und Stärkung von Verbänden, die sich mit Alzheimer auseinandersetzen, um das Bewusstsein für Alzheimer und andere Ursachen von Demenz zu schärfen. Die Gesellschaft fördert und unterstützt nationale Alzheimer-Vereinigungen bei der Förderung von Pflegepartnern für Demenzkranke. Seit 2012 gilt der Monat September als Welt-Alzheimer-Monat (https://www.worldalzmonth.org/).

Alzheimer in Zahlen
Weltweit sind laut WHO etwa 50 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Bis 2050 wird sich diese Zahl auf voraussichtlich 152 Millionen mehr als verdreifachen.

Für den Welt-Alzheimer-Bericht 2019 hat die ADI die weltweit größte Umfrage zur Einstellung gegenüber Demenz durchgeführt und 70.000 Menschen in 155 Ländern befragt. Die Ergebnisse zeigen einen verblüffenden Mangel an globalem Wissen über Demenz. Zwei Drittel der Menschen glauben, dass die Krankheit eher ein normaler Bestandteil des Alterns als eine neurodegenerative Störung ist. Dabei könnte man den Fortgang von Alzheimer bei rechtzeitiger Behandlung zumindest bremsen. Die Krankheit ist zwar noch nicht heilbar, kann aber durch Medikamente verzögert werden, vorausgesetzt dass die Behandlung bei den ersten Anzeichen beginnt. Das ist allerdings nur bei einem Viertel der Betroffenen der Fall.
Die Angst, eine Demenz zu entwickeln, ist weltweit groß, aber das wahre Verständnis der Krankheit ist gering. Dies ist besorgniserregend, da die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzerkrankungen die fünfthäufigste Todesursache weltweit sind. 95 Prozent der Befragten glauben, dass sie in ihrem Leben eine Demenzerkrankung entwickeln könnten, tatsächlich erkrankt alle drei Sekunden ein Mensch an Demenz. Rund die Hälfte der Betroffenen fühlen sich von Ärzten und Krankenschwestern ignoriert, 33 Prozent der Befragten befürchten, dass ihnen Angehörige der Gesundheitsberufe nicht zuhören würden, wenn sie an Demenz erkranken würden.

"Demenzfreundliche Apotheken"
Apothekerinnen und Apotheker sind nicht nur aufgrund des arzneimittelbezogenen Wissens, sondern auch wegen des niederschwelligen Zugangs und des Vertrauens der Bevölkerung als Anlaufstellen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bestens geeignet. Eine kontinuierliche pharmazeutische Betreuung der Patienten hilft auch, die Angehörigen zu entlasten.

Wird ein Patient mit Antidementiva behandelt, ist die Beratung und Versorgung in der Stammapotheke besonders wichtig. Eine korrekte, ausreichend hohe Dosierung sowie die Förderung der Theapietreue sind ebenso zu beachten wie ein weitestgehendes Vermeiden von anticholinerg wirkenden Arzneimitteln. Medikamente mit anticholinerger Wirkung werden u.a. bei Inkontinenz, Magenkrämpfen und bei der Parkinsonschen Krankheit eingesetzt. Cholinergika, das sind Arzneimittel mit einer zu den Anticholinergika entgegengesetzten Wirkung, sind als Antidementiva in Verwendung. Cholinergika und Anticholinergika können sich in ihrer Wirkung gegenseitig beeinflussen. Die Auswahl der geeigneten Arzneiform is sehr wichtig, denn neben Tabletten und Retardtabletten steht eine Palette an Darreichungsformen zur Verfügung.

Quellen und weiterführende Informationen:
Österreichische Alzheimer Gesellschaft (ÖAG)
http://www.alzheimer-gesellschaft.at/
Verein "Alzheimer Austria"
http://www.alzheimer-selbsthilfe.at/
www.demenzstrategie.at
Internationale Alzheimer Gesellschaft (ADI - Alzheimer's Disease International) https://www.alz.co.uk/
www.alzheimer-europe.org/
www.deutsche-alzheimer.de