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Gerührt, geschüttelt oder als Zäpfchen?
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 12. Jänner 2019
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Trotz einer Vielzahl von industriell gefertigten Fertigarzneimitteln machen Herstellungen und Abfüllungen 3 bis 5 Prozent des Apothekenumsatzes aus. So sind Hausspezialitäten Eigenerzeugungen, die nach vom Gesundheitsministerium genehmigten Rezepturen im Apothekenlabor angefertigt werden. Dabei werden bewährte und sichere Arzneistoffe zu Tees, Salben, Tropfen und Säften verarbeitet.

Bei der so genannten Elaboration werden Arzneimittel nach der Vorschrift des amtlichen Arzneibuchs in größerem Maßstab hergestellt. Beispiele dafür sind Baldriantropfen, fixe Heilkräutermischungen, aber auch Sirupe, Zäpfchen, Salben, Kapseln und andere Arzneiformen, die oft einen Platz in der Volks- und Naturheilkunde haben.

Wenn Ärzte ein Medikament speziell für einen Patienten verordnen, weil diese Zusammensetzung oder Wirkstärke nicht industriell hergestellt wird, so spricht man von magistraler Rezeptur. Magistrale Verordnungen finden sich besonders häufig bei Haut-, Augen- oder Kinderärzten: Da werden in Sterilkammern Augentropfen ohne schwer verträgliche oder Allergie auslösende Konservierungsmittel hergestellt, Salbenmischungen mit speziell abgestuftem Wirkstoffgehalt angefertigt oder auch Kapseln, Sirupe, Pulver und Zäpfchen mit Arzneistoffmengen, die genau auf das Körpergewicht eines Kleinkindes abgestimmt sind.

Auch für Krisensituationen sind wir mit unseren Apothekenlabors und dank unserer universitären Ausbildung auf diesem Gebiet gerüstet: Wenn der Nachschub durch eine Naturkatastrophe unterbrochen ist oder die Industrie wegen eines Produktionsausfalls die benötigten Arzneimittel nicht zur Verfügung stellen kann, wird in unseren Labors gerührt, gelöst, gemischt und abgefüllt. Apotheken sind also nicht nur Berater und Logistiker, sondern auch Herstellungsbetriebe.